Endlich ist es so weit: Die Geburt
Neun Monate sind eine lange Zeit, aber schneller als man denkt ist der Geburtstermin gekommen. Wenn Sie sich rechtzeitig vorbereiten, können Sie der Geburt entspannt entgegensehen. In den meisten Fällen läuft sie ohne Komplikationen ab. Und wenn es Schwierigkeiten geben sollte, können Hilfsmittel eingesetzt oder ein Kaiserschnitt durchgeführt werden.Im Überblick
Auch wenn das Ende der Schwangerschaft ungeduldig erwartet wird, werden viele Frauen doch nervös, wenn die Wehen einsetzen. Dann gilt es aber, ruhig zu bleiben und nicht den Kopf zu verlieren. Hilfreich ist es in jedem Fall, wenn Sie schon rechtzeitig alle nötigen Dinge bereitgelegt, den Koffer oder die Tasche für die Klinik gepackt oder die Hausgeburt vorbereitet haben. So können Sie sich viel Stress ersparen und der Geburt entspannt entgegen sehen.
↑ nach oben
Der Klinik-Koffer: Das brauchen Sie für die Geburt
Rechtzeitig den Koffer für die Klinik zu packen, vermeidet unnötigen Stress und Unruhe, wenn die Geburt kurz bevorsteht. An die folgenden Dinge sollten Sie denken:
Die HandtascheIn die Handtasche gehören die wichtigsten Unterlagen für die Aufnahme in der Klinik. So läuft alles reibungslos und Hebammen und Ärzte haben gleich die Informationen, die sie brauchen:
- Mutterpass
- Personalausweis
- wichtige Telefonnummern
- Hausschlüssel
- Kleingeld zum Telefonieren oder Ihr Handy (in der Klinik sollte das Handy abgeschaltet werden, da unerwartetes Klingeln sowohl Sie als auch Hebammen und Ärzte stört)
- wenn Sie Allergikerin sind: den Allergiepass
- eventuell Medikamente, die Sie in der Schwangerschaft einnehmen mussten
- wenn Sie verheiratet sind: Heiratsurkunde und das Familienstammbuch
- Geburtsurkunde (wenn Sie unverheiratet sind und der Vater des Kindes in der Geburtsurkunde genannt werden will, brauchen Sie auch dessen Geburtsurkunde)
- eventuell die Überweisung Ihrer Frauenärztin beziehungsweise Ihres Frauenarztes
- Krankenversicherungskarte
Fürs Baby
- Tragetasche
- Windeln (kleinste Größe) und Windelhosen
- Strampelanzug und Socken
- Unterhemd
- Jacke, Wolljacke und Mütze (auch im Sommer)
- warme Decke
- Autositz
Für den Kreißsaal
- bequeme Kleidung (zum Beispiel ein großes weites Baumwoll-T-Shirt)
- rutschfeste Hausschuhe, die die Füße warmhalten
- Bademantel
- CD-Player für Musik oder Hörbücher
- Hautcreme, Fettstift für die Lippen, Kamm (und für langes Haar einen Gummi zum Zurückbinden), Zahnbürste und Zahncreme, eventuell Badesalz und ein Massageöl falls Ihr Partner Sie massieren möchte)
- eine Thermosflasche mit Tee oder ein anderes Getränk
- Traubenzucker
- Fotoapparat oder Videokamera
Für die Zeit nach der Geburt
- mehrere bequeme Schlafanzüge, die Sie vorn aufknöpfen können
- Still-BH und Stilleinlagen
- Damenbinden
- bequeme Kleidung für die Tage in der Klinik und für den Nachhauseweg
- warme Socken
- Handtücher und Waschlappen
- Hautpflege- und Kosmetikprodukte
- Kamm und Bürste
↑ nach oben
Alternative zur Klinik – die Hausgeburt
Viele Mütter ziehen der Klinik die Geborgenheit einer Geburt zu Hause vor. Wenn es so weit ist, sollte das Zimmer, in dem Sie Ihr Kind zur Welt bringen wollen, so vorbereitet sein, dass nichts im Weg steht und die Raumtemperatur angenehm warm ist. Um für alle Fälle gerüstet zu sein, sollten Sie trotzdem einen Koffer für die Klinik packen.
Die Hebamme weiß aus Erfahrung, was bei einer Geburt alles gebraucht wird. Unterstützen Sie sie, indem Sie ein paar Dinge bereithalten:
- Handtücher
- Wäschekorb und Abfalleimer
- Damenbinden
- Gummiunterlage, um die Matratze zu schützen
- Miniklists (kleine Einläufe) aus der Apotheke
- Traubenzucker
Wenn Sie Erinnerungsfotos oder ein Video von der Geburt machen möchten, stellen sie alles bereit und bitten den Partner oder die Hebamme, auf den Knopf zu drücken (nicht vergessen: Film in den Fotoapparat einlegen beziehungsweise die Kamera aufladen).
↑ nach oben
Die Geburt
Eine Geburt ist für eine Frau beziehungsweise für ein Paar wohl eines der bewegendsten Ereignisse im Leben. Je näher der Zeitpunkt rückt, umso mehr – manchmal widersprüchliche – Gefühle stürmen auf die werdende Mutter ein: Freude, Angst und Hilflosigkeit können sich mischen und einander abwechseln. Und natürlich weiß jede Frau, dass eine Geburt harte Arbeit ist, die sie an ihre körperlichen und seelischen Grenzen bringt. Im Nachhinein beschreiben manchen Frauen den Wehenschmerz als außergewöhnlich starke Periodenschmerzen, andere finden, es gäbe dafür keinen passenden Vergleich. Jede Frau erlebt die Geburt anders, Sie sollten sich aber darauf einstellen, dass es Momente intensiven Schmerzes, aber auch allerhöchsten Glücks geben kann.
Was tun, wenn die Wehen einsetzen?
Wenn Sie zum ersten Mal entbinden, haben Sie sicher schon überlegt, was Sie tun werden, wenn die Wehen einsetzen. Der Klinik-Koffer ist gepackt oder die Telefonnummer der Hebamme liegt griffbereit. Jetzt ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und erst einmal tief durchzuatmen.
Wenn Sie in einer Entbindungsklinik oder einem Geburtshaus entbinden, sollten Sie sich auf den Weg machen, sobald die Wehen alle vier bis fünf Minuten auftreten und 30-45 Sekunden andauern. Schon lange vorher dort zu sein, ist nicht unbedingt ratsam, denn die Hebammen und Ärzte wissen, dass es noch viele Stunden dauern kann, bis es wirklich los geht, und schicken Sie womöglich erst einmal wieder nach Hause. Starke Schmerzen im Unterleib oder im Rücken und Blutungen sind allerdings Grund genug, sich unverzüglich ins Krankenhaus fahren zu lassen.
Wenn Sie eine Hausgeburt geplant haben, sollten Sie Ihre Hebamme gleich anrufen, wenn die Wehen beginnen oder die Fruchtblase geplatzt ist. Sie kann Sie dann untersuchen und entscheiden, wann der Arzt kommen soll.
↑ nach oben
Die Geburtsphasen
Jede Frau, die zum ersten Mal entbindet, möchte wissen, wie die Geburt verläuft. Vier (beziehungsweise drei) Phasen sind typisch für eine „normale“ Geburt:
- Eröffnungsphase
- Übergangsphase (kann auch zur Eröffnungsphase gezählt werden)
- Austreibungsphase
- Nachgeburtsphase
1. Die Eröffnungsphase
Diese Phase ist bei jeder Geburt unterschiedlich lang. Sie beginnt mit den ersten echten Wehen – die Gebärmutter zieht sich in regelmäßigen Abständen zusammen – und kann sich, gerade bei Erstgebärenden, viele Stunden und manchmal sogar bis zu einem halben Tag lang hinziehen. Die immer intensiver werdenden Wehen sind meist vor allem im Unterbauch, gelegentlich auch im unteren Rücken zu spüren.
Viele Frauen erleben in der Eröffnungsphase ein Gefühl von Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein, weil sie glauben, die Wehen kontrollieren zu müssen. Das ist überhaupt nicht notwendig (und auch nicht möglich, denn der Körper folgt Reflexen, die Sie nicht willentlich beeinflussen können). Ratsam ist, sich den Wehen einfach nur hinzugeben und nicht gegenzusteuern. In dieser Phase können Sie es sich einfach auf dem Sofa oder im Bett gemütlich machen. Allerdings fühlen sich viele werdende Mütter deutlich besser, wenn sie etwas tun und zwischen den Wehen aufstehen und herumlaufen.
In der Eröffnungsperiode wird der Gebärmutterhals weich und verkürzt sich. Dann beginnt sich der Muttermund zu öffnen, bis er etwa zehn Zentimeter weit ist. Die Wehen, die zunächst in Abständen bis zu etwa einer Viertelstunde aufgetreten sind, kommen inzwischen schon alle zwei bis vier Minuten und nehmen an Intensität zu.
2. Die Übergangsphase
Diese zweite Phase ist für die Gebärende schwierig, denn einerseits ist nun der Muttermund schon fast ganz offen und sie hat das Gefühl, mithelfen zu müssen, andererseits sollte sie noch so lange damit warten, bis sie von der Hebamme das Signal dazu bekommt. Die Übergangsphase wird von den meisten Frauen als besonders schmerzhaft erlebt und häufig so, als seien sie nicht ganz sie selbst: Sie fluchen, schimpfen und schreien und können sich später oft nicht mehr daran erinnern. Aber keine Sorge: die Hebamme und der Arzt kennen solche Verhaltensweisen und nehmen es Ihnen nicht übel.
Die Wehen in dieser zweiten Phase fühlen sich anders an als in der Eröffnungsphase: Sind sie vorher noch wie Wellen angestiegen und wieder abgeebbt, können die Wehen in der Übergangsphase mehrere Höhepunkte erreichen. Meist dauert diese besonders intensive Phase nur einige Minuten, selten länger als eine halbe Stunde. Und sie endet damit, dass der Muttermund ganz geöffnet ist und der Kopf des Kindes tief in das Becken gesunken ist. Nun dauert es nur noch Minuten, bis das Kind das Licht der Welt erblickt.
Auch in der Übergangsphase müssen Sie nicht das Bett hüten (es sei denn, Sie wollen es). Sie können herumlaufen, in die Hocke gehen, sich zwischen den einzelnen Wehen auf der Bettkante ausruhen oder Ihren Partner bitten, Ihnen den unteren Rücken zu massieren (wie er das im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hat). Viele Frauen fühlen sich auch besser, wenn sie sich im Vierfüßlerstand auf Knie und Ellenbogen stützen. Erfahrene Hebammen raten Gebärenden, in dieser Phase ganz besonders daran zu denken und darauf zu vertrauen, dass sie ihr Kind aus eigener Kraft zur Welt bringen können.
3. Die Austreibungsphase
Nach der anstrengenden und kräftezehrenden Übergangsphase wird die Austreibungsphase oftmals (nicht immer) als weniger intensiv und schmerzhaft erlebt: Die Wehen kommen nun wie Flutwellen und mit einem sehr kraftvollen Drang, das Baby aus der Scheide hinaus zu schieben. Damit der Damm, der jetzt stark strapaziert wird, dem Druck standhält, leitet die Hebamme die Gebärende an, wann sie pressen soll. Falls ein Dammschnitt erforderlich ist, spüren die meisten Frauen das gar nicht, denn der Schnitt wird fachkundig dann gesetzt, wenn eine Presswehe gerade ihren Höhepunkt erreicht hat. Ist der ganze Kopf erst einmal zu sehen, ist die schwerste Arbeit getan. Schnell folgen die Schultern, der Körper, die Beine und dann schreit das Baby zum ersten Mal und beginnt, aus eigener Kraft zu atmen.
4. Die Nachgeburtsphase
Nach der Geburt hat die Gebärmutter noch eine wichtige Aufgabe: die
Plazenta, die das Baby vorher mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt hat, muss ausgestoßen werden. Meist dauert das ein paar Minuten, manchmal auch ein halbe Stunde. Dann zieht sich die Gebärmutter wehenartig zusammen, die
Plazenta löst sich von der Gebärmutterwand ab und rutscht durch die Scheide nach draußen.
Diese so genannte Nachgeburt kann ziemlich unangenehm sein, die Mutter kann den Prozess jedoch unterstützen, indem sie in die Hocke geht oder steht. Letzte Wehen sorgen dafür, dass sich die Gebärmutter und die Blutgefäße, die sie versorgen, zusammenziehen und es nicht zu Blutungen kommt. Ist es bei der Geburt zu Verletzungen gekommen oder war ein Dammschnitt erforderlich, wird die jeweilige Wunde medizinisch versorgt.
Die
Plazenta wird anschließend auf Vollständigkeit untersucht, um sicherzugehen, dass nicht Teile davon in der Gebärmutter verblieben sind. Anschließend wird sie gewogen – sie wiegt etwa ein halbes Kilo und hat Ähnlichkeit mit einem großen Stück Leber.
↑ nach oben
Eingriffe zur Geburtshilfe
Zange und Saugglocke
Mit Zange oder Saugglocke (Vakuumextraktor) unterstützte Geburten sind gar nicht selten: etwa bei einem Fünftel aller Geburten kommen diese Hilfsmittel zum Einsatz. Sie werden dann nötig, wenn der Kopf des Kindes für das Becken der Mutter zu groß ist oder die Mutter zu erschöpft, um die Presswehen aktiv zu unterstützen. Wurde eine
Periduralanästhesie (PDA) durchgeführt, muss öfter zu Instrumenten gegriffen werden, weil die Wehen sich dann verlangsamen und darüber hinaus der natürliche Drang zu pressen unterbunden wird. Zange und Saugglocke haben den gleichen Zweck: die Entbindung zu beschleunigen. Die Saugglocke gilt dabei als weniger unangenehm für Mutter und Kind als die Zange. In der Regel verursachen die Instrumente keine Verletzungen beim Kind. Gelegentlich kann es zu einer harmlosen Schwellung der Kopfschwarte kommen, die sich jedoch folgenlos zurückbildet. Auch Hautabschürfungen und vorübergehende Gesichtsnervenlähmungen beim Kind werden manchmal beobachtet. Sehr selten kann es zu Hirnblutungen oder Schädelbrüchen kommen.
Dammriss
Zu einem Dammriss kann es bei einer Geburt relativ leicht kommen: In der Austreibungsphase wird der Kopf des Kindes so schnell nach unten gepresst, dass der Damm diesem Druck oft nicht standhält und reißt. Lange Zeit hat man in vielen Kliniken deshalb vorsorglich einen Dammschnitt
durchgeführt. Allerdings ist man heutzutage dazu übergegangen, den Dammschnitt (Episiotomie) nur noch in gewissen Situationen durchzuführen. Ausgeführt werden darf er nur vom Arzt.
Wann ein Dammschnitt notwendig ist
Häufig macht man bei Frühgeburten einen Dammschnitt, um den Kopf des Kindes vor dem Druck des Geburtskanals zu schützen. Auch bei Zangengeburten oder wenn die Scheide sehr eng ist, ist ein Dammschnitt ratsam. Bei Beckenendlage des Kindes, Zwillingsschwangerschaften und drohendem Dammriss wird er außerdem eingesetzt. Gleich nach der Geburt wird die Stelle, an der der Schnitt geführt wurde, betäubt und die Wunde mit einem Faden verschlossen. Der Faden muss nicht gezogen werden, da er sich nach wenigen Tagen von selbst auflöst.
Nachsorge
In den ersten Tagen nach der Geburt kann die Wunde (ob durch Riss oder Schnitt) ziemliche Schmerzen verursachen. Sie können sich einen Schwimmring (zum Beispiel aus der Spielzeugabteilung eines Kaufhauses) unter den Po legen, um die Dammregion nicht zu belasten. Damit die Wunde schneller heilt, achten Sie darauf, dass der Bereich möglichst nicht feucht ist. Waschen Sie sich zweimal täglich vorsichtig mit Wasser und tupfen Sie den Damm dann behutsam ab. Wenn das zu sehr schmerzt, können Sie auch mit einem Fön (auf lauwarm stellen) den Analbereich trocken pusten.
Frauen, die
Hämorrhoiden haben, brauchen nicht zu befürchten, dass die Nähte beim Stuhlgang reißen. Eine Hämorrhoidencreme aus der Apotheke kann die Beschwerden lindern.
Nach etwa zehn Tagen ist die Wunde normalerweise gut verheilt und die Schmerzen sind abgeklungen. Wenn nicht, sollten Sie sicherheitshalber zum Arzt gehen, denn möglichweise muss die Wunde noch einmal gereinigt oder die Naht erneuert werden. Meist kann man solchen seltenen Heilungsverzögerungen jedoch mit Kräuterkompressen (Beinwell oder Schmerwurz, auch Schmerzwurz genannt) zuvorkommen.
↑ nach oben
Die erste Zeit mit dem Baby
Die ersten Stunden und Tage nach der Geburt sind von allergrößter Wichtigkeit für die Beziehung, die sich zwischen Mutter und Kind entwickelt und vertieft. Wahrscheinlich würden Sie Ihr Baby jetzt am liebsten den ganzen Tag im Arm halten und anschauen. Neben den vielen sozialen und psychischen Aspekten, die beim Aufbau einer Mutter-Kind-Beziehung entscheidend sind, gibt es ein
Hormon, das diesen vielschichtigen Prozess sogar auf körperlicher Ebene mit unterstützt: das „Bindungshormon“
Oxytocin. Dieses
Hormon, das im
Hypothalamus gebildet wird, löst nicht nur die Wehen aus und sorgt beim Stillen für das Einschießen der Milch, es findet sich auch bei besonders angenehmen Empfindungen wie zum Beispiel einem Orgasmus vermehrt im Blut. Bei Tieren soll
Oxytocin den Nestbautrieb fördern und bei Müttern das Bedürfnis, sich ihrem Baby liebevoll zuzuwenden.
Warum Berührung so wichtig ist
Das
Hormon Oxytocin steht in Zusammenhang mit der Empfindung von Geborgenheit, Entspannung sowie einem allgemeinen Wohlgefühl und wird – sowohl bei der Mutter als auch dem Baby – vermehrt ausgeschüttet, wenn die Mutter das Kind streichelt oder stillt. So fördert
Oxytocin die Beziehung zwischen Mutter und Kind. Auch bei Männern kann man dieses
Hormon übrigens nachweisen – welche Funktionen es bei ihnen im Detail hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Die bindungsfördernde Wirkung gilt jedoch auch für Männer.
„Babyblues“ – Niedergeschlagenheit nach der Geburt
Die meisten Frauen haben nach einer Geburt mehr oder weniger stark mit dem sogenannten Babyblues zu kämpfen. Die anfängliche Hochstimmung kurz nach der Geburt schlägt dann um in ein Gemisch aus Befürchtungen, Verzweiflung und dem Gefühl, den Aufgaben nicht gewachsen zu sein. Es kann sogar zur Ablehnung des Babys oder seines Vaters kommen. Oft spüren die Frauen auch einfach nur eine tiefe Traurigkeit, deren Ursachen nicht zu benennen sind. Frauen mit Babyblues sind dünnhäutig und verletzlich und können scheinbar grundlos in Tränen ausbrechen – diese „Heultage“ gehören wie eine Art „seelische Nachwehen“ zum Kinderkriegen dazu. Normalerweise verschwindet diese Stimmung nach einigen Tagen von selbst. Hält der Babyblues allerdings länger als 10-14 Tage an, kann das auf eine echte Depression hinweisen, die unbedingt behandelt werden muss. Vor allem bei Frauen, die schon einmal an einer psychischen Erkrankung gelitten haben, sollte es ein Warnsignal sein, wenn ihre Stimmung sich nachhaltig verändert.
Wie es zum Babyblues kommt
Sobald die Geburt überstanden ist, fällt der Hormonspiegel im Blut, die Wirkung der Schwangerschaftshormone lässt nach. Da die Botenstoffe eng an die Stimmung gekoppelt sind, bleibt diese körperliche Veränderung nicht ohne Folgen für die Psyche der Mutter. Die Zweifel, ob sie die Mutterrolle richtig erfüllen wird, wachsen und die im Anschluss entstehenden Schuldgefühle, weil sie statt der Freude Ängste empfindet, verschlimmern alles noch.
Verständnis und Ablenkung helfen
Am wenigsten nützt jetzt die gut gemeinte Aufforderung, sich zu freuen, denn sie verstärkt das Gefühl des Versagens. Die meisten Frauen brauchen jetzt viel liebevolle Zuwendung, einfühlsames Verständnis und Ablenkung. Idealerweise sollte der Partner oder eine Freundin viel Zeit haben, um sie mit der Mutter zu verbringen und sie zu unterstützen, wenn ihr zum Weinen zumute ist.
Gute Vorbereitung schon vor der Geburt hilft jedoch auch, Versagensängsten und dem Gefühl von Überforderung nach der Geburt vorzubeugen: Versuchen Sie gemeinsam mit Ihrem Partner oder einer guten Freundin, ihr Zuhause so vorzubereiten, dass Sie sich wohl fühlen und keine Nebensächlichkeiten stören.
↑ nach oben
Komplikationen bei der Geburt
Grundsätzlich kann eine Schwangere, die während ihrer gesamten Schwangerschaft gut betreut wurde und regelmäßig an den Vorsorgeuntersuchungen teilgenommen hat, der Entbindung entspannt entgegensehen – die meisten Geburten verlaufen gut. Den Großteil der möglichen Komplikationen kann man zumeist vorher schon erkennen und sich entsprechend darauf vorbereiten.
Geburt bei Steißlage
Normalerweise nutzt das Ungeborene den Schutzraum der Gebärmutter, um sich darin zu bewegen. Dabei kommt es auch gelegentlich vor, dass es in der Steißlage liegt. Bei den meisten Schwangerschaften dreht sich das Baby von ganz allein so, dass es pünktlich zur Geburt die richtige Position einnimmt, nämlich mit dem Kopf nach unten. Findet die Geburt bei Steißlage statt, hat sich das Baby nicht rechtzeitig gedreht und tritt mit dem Gesäß ins Becken der Mutter ein. Warum es dazu kommt, weiß man meist nicht genau. Allerdings gibt es bestimmte Umstände, unter denen das Risiko einer Steißlage höher ist, zum Beispiel bei Mehrlingsgeburten oder bei einer
Placenta praevia.
Eine Geburt bei Steißlage ist mit ernsten Risiken behaftet:
- Da das Gesäß des Babys kleiner ist als sein Kopf, verschließt es den Geburtskanal nicht so gut. Dadurch kann die Nabelschnur „prolabieren“, das heißt am Kind vorbei rutschen. Man spricht dann von einem Nabelschnurvorfall. Wenn die Nabelschnur abgedrückt wird, bekommt das Baby keinen Sauerstoff mehr.
- Der Geburtskanal wird nicht so gut gedehnt wie bei einer normalen Geburt, bei der der Kopf vorangeht.
Maßnahmen
Wird in der Austreibungsperiode die Nabelschnur
abgedrückt, muss unbedingt darauf hingearbeitet werden, dass der Austritt des Kopfes nicht länger als drei, höchstens fünf Minuten dauert. Um keine Risiken einzugehen, versucht der Arzt zunächst, das Kind vor dem Geburtstermin zu drehen (äußere Wendung). Dazu massiert er den Bauch der Mutter sanft, um das Baby dazu anzuregen, die richtige Position für die Geburt einzunehmen. Auch
Akupunktur und Wärme gelten als hilfreich.
Greifen diese Maßnahmen nicht, wird meist ein
Kaiserschnitt gemacht. Allerdings kann bei guter Geburtsvorbereitung und einer ansonsten normal verlaufenen Schwangerschaft auch eine
vaginale Geburt sinnvoll sein. Das gilt vor allem für Frauen, die nicht zum ersten Mal entbinden. Voraussetzung dafür ist, dass es sich nicht um eine Frühgeburt handelt, das Kind nicht mehr als schätzungsweise vier Kilogramm wiegt und das Becken der Mutter ausreichend groß ist.
Geburt bei Schräg- oder Querlage
Ganz selten verbleibt ein Ungeborenes in einer Lage, in der es überhaupt nicht auf natürlichem Weg geboren werden kann: es liegt schräg oder quer in der Gebärmutter. Für das Kind besteht dadurch die zusätzliche Gefahr, dass die
Plazenta nicht gut genug durchblutet wird, um das Kind ausreichend zu versorgen.
Maßnahmen
Bei der
Ultraschalluntersuchung wird eine Schräg- oder Querlage meist zuverlässig festgestellt, sodass rechtzeitig entsprechende Schritte unternommen werden können. Zunächst kann der Arzt versuchen, das Kind in die richtige Lage zu bringen – allerdings erst zu einem Zeitpunkt und unter Bedingungen, unter denen auch ein
Kaiserschnitt möglich wäre. Wenn sich das Kind nicht in Geburtsposition dreht beziehungsweise drehen lässt, wird zwei bis drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin ein
Kaiserschnitt gemacht.
↑ nach oben
Geburt per Kaiserschnitt
Es gibt medizinische Gründe für einen
Kaiserschnitt, wenn die Gesundheit des Kindes oder der Mutter bei einer
vaginalen Geburt in Gefahr geraten könnte. Allerdings ist es auch oft der Wunsch der Mutter, per
Kaiserschnitt zu entbinden. In solche Überlegungen sollte miteinbezogen werden, dass ein
Kaiserschnitt trotz aller Fortschritte in der Medizin gefährlicher ist als eine
vaginale Geburt und dieselben Risiken birgt wie eine große Bauchoperation: zum Beispiel Narkosezwischenfälle, Nachblutungen, eine Verletzung benachbarter Organe wie Darm oder Blase. Ist ein
Kaiserschnitt nicht zu umgehen, ist das aber für gewöhnlich kein Grund zur Sorge.
Wann ist ein Kaiserschnitt notwendig?
Es wird unterschieden zwischen absolut notwendigen
Kaiserschnitten und relativen Indikationen zum
Kaiserschnitt. Absolut notwendig ist ein
Kaiserschnitt, wenn das Leben oder die Gesundheit der Mutter, des Kindes oder beider auf dem Spiel steht, beispielsweise bei:
- Quer- oder Schräglage des Kindes
- Schwangerschaftsvergiftung
- HELLP-Syndrom
- Plazenta praevia, wegen der Gefahr massiver Blutungen
- vorzeitiger Plazentalösung
- drohendem Gebärmutterriss
- absolutem Missverhältnis zwischen dem Kopf des Kindes und dem Becken der Mutter
- Fehlbildung des Beckens
- Fruchtwasserinfektionssyndrom
- Nabelschnurvorfall
Desweiteren liegt eine relative Indikation zum
Kaiserschnitt vor bei:
- Beckenendlage (Steißlage)
- Mehrlingsschwangerschaft
- Geburtsgewicht des Kindes über 4500 g
- vorheriger Kaiserschnittentbindung
- Geburtsstillstand
- auffälliger Wehenschreibung
- verlängerter Geburt und Erschöpfung der Mutter
Ablauf des Eingriffs
Bei einem
Kaiserschnitt durchtrennt der Chirurg die Bauchhaut und anschließend die Gebärmutter. Früher wurde diese Operation meist in Vollnarkose durchgeführt, heute kann man unter örtlicher Betäubung, der so genannten
Periduralanästhesie (PDA), das Kind entbinden. Normalerweise setzt der Chirurg den Schnitt am Rand der Schambehaarung am Unterbauch („Bikini“-Schnitt). Das ist nicht nur ästhetisch für die meisten Frauen angenehmer, dieser Schnitt folgt auch den natürlichen Gewebelinien der Bauchdecke, sodass es nicht zu starken Blutungen kommt und weniger Schmerzen auftreten. Inzwischen gibt es auch eine Operationstechnik, die noch schonender ist: Bei der so genannten Misgav-Ladach-Methode wird nur ein querverlaufender Bauchschnitt angelegt und dann alle weiteren Schichten stumpf, also nur mit den Händen, präpariert. Wenn das Baby und alle Teile der
Plazenta aus der Gebärmutter entnommen sind, vernäht der Chirurg bestimmte Gewebeschichten, während andere von selbst heilen können. Nach einem
Kaiserschnitt, der nach der Misgav-Ladach-Methode durchgeführt wurde, haben die Mütter später weniger Schmerzen und die Wunde heilt besser ab.
Nachsorge
Nach der Operation fühlen sich die meisten Frauen recht angeschlagen: die Wunde schmerzt, und wegen der venösen
Infusion, durch die Nährstoffe und Flüssigkeit zugeführt werden, können sie nicht viel unternehmen. Viele sind auch irritiert, weil nach den vielen Schwangerschaftsmonaten nun unvermittelt das Kind da ist. Oftmals fehlt ihnen das Geburtserlebnis. Zugleich empfinden sie aber Erleichterung, dass alles gut gegangen ist. Das Baby muss oft noch einige Tage auf der Säuglingsstation bleiben. Denn es kann immer wieder zu Atemstörungen kommen, weil das Fruchtwasser möglicherweise nicht komplett abgesaugt werden konnte, das während einer
vaginalen Geburt ganz von selbst aus seinen Lungen gepresst wird. Bei intensiver Überwachung des Babys kann sich aber auch die Mutter besser entspannen und von der Operation erholen.
↑ nach oben