Muttermilch und ihr Ersatz – gesunde Ernährung für Babys
Wer sich gesund ernährt, hat beste Voraussetzungen für ein langes, gesundes Leben. Deshalb sollte schon bei den Kleinsten auf die richtige Nahrung geachtet werden. Die stillende Mutter kann mit ihrer eigenen Ernährung ihren Beitrag dazu leisten. Aber auch Nahrungsergänzungsmittel für Mutter und Kind sowie Muttermilchersatz-Präparate wollen gut ausgesucht sein.Im Überblick
Stillen ist nicht nur die gesündeste Form der Ernährung für ein Baby, sondern bewirkt noch viel mehr: Es festigt die Beziehung zwischen Mutter und Kind und versorgt das Baby mit wichtigen
Antikörpern gegen Infektionskrankheiten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, normalgewichtige Kinder in den ersten vier, wenn möglich den ersten sechs Monaten ausschließlich zu stillen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Säuglinge nicht zu früh mit sogenannten Fremdeiweißen in Berührung kommen. Diese beispielsweise in Kuhmilch enthaltenen Eiweiße können bei einigen Kindern
Allergien auslösen. Auch Teenager, die als Säuglinge gestillt wurden, leiden Untersuchungen zufolge weniger unter Allergien wie allergischem
Asthma bronchiale oder
Heuschnupfen.
Zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat sollte schrittweise damit begonnen werden,
Beikost zuzufüttern. Anfangs reichen zwei bis drei kleine Mahlzeiten pro Tag. Geeignet dafür sind sowohl spezielle Kinderbreie, aber auch Obststücke oder gekochtes Gemüse. Die Ergänzung mit Beikost bedeutet aber nicht automatisch, dass gleichzeitig abgestillt werden sollte. Der Zeitpunkt für das Abstillen sollte nicht nach dem Kalender gewählt werden. Abstillen ist vielmehr
ein Prozess, der für jedes Mutter-Kind-Paar individuell verläuft.
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Schluss mit Sushi
Grundsätzlich sollten sich stillende Mütter ausgewogen und gesund ernähren, denn die
Ernährung hat auch Einfluss auf die Muttermilch. Gesunde pflanzliche Fette und der Genuss von fettreichen Seefischen helfen beispielsweise dabei, genügend hochwertige
Fettsäuren in der Milch bereitzustellen. Meeresfische wie Lachs oder Hering bieten den zusätzlichen Vorteil, dass sie viel
Jod enthalten. Dieses essentielle
Spurenelement ist wichtig für die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes, aber auch für die Gesundheit der Mutter.
Jodmangel ist in Deutschland weit verbreitet und tritt auch bei ansonsten guter Ernährung auf.
Während Schwangerschaft und
Stillzeit sollten Frauen daher zusätzlich Jod zu sich zu nehmen, empfehlen Fachgesellschaften wie die
Deutsche Gesellschaft für Ernährung. In Tablettenform liegt Jod als Jodid vor. Insgesamt sollten Schwangere und Stillende täglich zwischen 230 und 260 Mikrogramm Jodid zu sich nehmen. Durch jodhaltige Lebensmittel kann ein Großteil dieses Bedarfs abgedeckt werden, beispielsweise durch jodiertes Speisesalz oder die bereits erwähnten Seefische. Bei Fischen muss allerdings darauf geachtet werden, dass sie vorher gut durchgegart wurden. Bei rohem Fisch besteht die Gefahr, dass er mit Keimen wie
Listerien oder
Toxoplasmen belastet ist. Sushi sollte also während Schwangerschaft und Stillzeit nicht auf dem Speiseplan stehen.
Info: Ergänzungsmittel zur Vorbeugung und zur Deckung einer möglicherweise bestehenden Jodunterversorgung gibt es in der Apotheke. Fragen Sie Ihren Apotheker um Rat.
Ein weiteres wichtiges Nahrungsergänzungsmittel ist
Folsäure. Auch diese sollten Frauen bereits vor einer geplanten Schwangerschaft und auch während einer Schwangerschaft zuführen. Die Empfehlungen der Fachgesellschaften gehen von einem zusätzlichen Bedarf von 400 Mikrogramm Folsäure pro Tag aus. Apotheker halten dafür spezielle Tabletten parat. Mangelt es während der Schwangerschaft an Folsäure, besteht ein erhöhtes Risiko für Missbildungen wie Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte oder Spina bifida (auch offener Rücken genannt).
Folsäure sollte nicht nur während der Schwangerschaft, sondern auch während des Stillens ergänzt werden.
Info: Hochwertige Folsäurepräparate erhalten Sie in Ihrer Apotheke. Ihr Apotheker berät Sie gerne.
Sinnvoll ist auch eine zusätzliche Gabe von
Vitamin D. Dieses wichtige Vitamin sollte im ersten Lebensjahr den Kindern zugeführt werden. Ein Mangel an Vitamin D kann eine Störung des Knochenwachstums hervorrufen. Das Vitamin kann zwar vom Körper selbst gebildet werden, dafür ist jedoch Sonnenstrahlung nötig. Gerade die Haut von Babys und Kleinkindern reagiert aber sehr empfindlich auf Sonnenstrahlung und sollte daher lieber geschützt werden. Das fehlende
Vitamin D lässt sich sehr gut ergänzen: Üblich ist eine Vitamin D-Gabe von 500 Einheiten ab dem 5. Lebenstag, die von den Kinderärzten verschrieben wird. In der Praxis hat sich die Kombination mit
Fluorid in Tablettenform bewährt.
Gegen eine vegetarische Ernährung während der Stillzeit spricht grundsätzlich nichts. Allerdings muss sich die Mutter in diesem Fall intensiv mit der richtigen Zusammenstellung der Nahrungsmittel beschäftigen. Vor allem der Vermeidung von Eiweiß- und Eisenmangel muss hier große Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dazu sollten sich Interessierte am besten in der Apotheke beraten lassen. Vegane Ernährung während der Stillzeit ist dagegen nicht anzuraten. Sie birgt das Risiko, dass bleibende neurologische Schäden beim Säugling entstehen.
Eingemottet gehört nach Ansicht vieler Kinderärzte dagegen das Vorurteil, dass Kohl oder Zitrusfrüchte während der Stillzeit grundsätzlich nicht auf dem Speisezettel der Mutter stehen dürfen. Die Annahme, dass Babys schneller wundliegen, wenn die Mutter Zitrusfrüchte isst oder schneller Blähungen bekommen, wenn Kohl auf den Tisch kommt, ist wissenschaftlich nicht zu belegen. Individuelle Unverträglichkeiten sind bei vielen Nahrungsmitteln möglich. Deshalb sollte hier im Zweifelsfall immer ein Kinderarzt hinzugezogen werden.
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Medikamente während der Stillzeit
Viele Mütter machen sich Sorgen, dass Medikamente Rückstände in der Muttermilch hinterlassen, die ihrem Kind schaden können. Tatsächlich können die Wirkstoffe vieler Medikamente in die Muttermilch übergehen. Eine Arzneimitteleinnahme ist aber nicht notwendigerweise ein Grund zum Abstillen, sondern muss je nach verordnetem Medikament von Fall zu Fall betrachtet werden.
An erster Stelle sollte immer der Versuch stehen, eine nichtmedikamentöse Therapie für die erkrankte Mutter zu finden. Bei
Erkältungen können alte Hausmittel hilfreich sein, beispielsweise heiße Zitrone oder
Wadenwickel bei Fieber. Auch Inhalationen können Linderung verschaffen. Die üblichen Erkältungsmedikamente sind dagegen für stillende Mütter nicht geeignet, da es sich hier meist um Kombinationspräparate handelt. In ihnen können sich schädliche Wirkstoffe verstecken. Deshalb sollte bei der Therapie mit Medikamenten immer angestrebt werden, nur einen Wirkstoff einzusetzen. Von diesem muss bekannt sein, dass er in der Stillperiode unbedenklich ist.
Bei Schmerzmitteln sind
Ibuprofen oder
Paracetamol besser geeignet als
Acetylsalicylsäure. Fragen zur Dosierung werden am besten mit dem Arzt oder Apotheker geklärt. Weitere Informationen und Rat zur Einnahme von Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit bietet das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie in Berlin. Das Beratungszentrum ist im Internet unter
www.embryotox.de zu erreichen und auch für medizinische Laien zugänglich.
Homöopathische Medikamente sind grundsätzlich unbedenklich, allerdings ist ihre Wirkung über den Placeboeffekt hinaus nicht wissenschaftlich belegt. Vorsicht ist bei Teezubereitungen und anderen
pflanzlichen Heilmitteln geboten. Hier kann der Wirkstoffgehalt teilweise stark schwanken und oft sind nicht alle Inhaltsstoffe bekannt.
Psychopharmaka sollten während der Stillzeit nur nach eingehender Beratung mit dem Arzt eingenommen werden. Es empfiehlt es sich auch, nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten Ausschau zu halten.
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Hilfsmittel für das Stillen
Stillen kann manchmal eine langwierige Angelegenheit sein. In solchen Fällen ist ein Stillkissen Gold wert. Aber auch wenn das Baby schnell trinkt, kann es das Stillen erleichtern. Meist sind die schlauchförmigen Kissen rund zwei Meter lang und leicht gekrümmt. So passen sie sich den Körperformen von Mutter und Kind an und erleichtern das richtige Anlegen an die Brust. Bei den Füllmaterialien gibt es verschiedene Varianten, von Kunststoff über Wolle bis zu Pflanzenmaterialien wie Dinkelspreu. Diese Materialien haben verschiedene Vor- und Nachteile: So sind Kunststoffmaterialien zwar pflegeleicht und haben nur ein geringes Gewicht, können aber schlimmstenfalls extrem ungesunde Stoffe wie Styrol ausgasen. Dieses Problem haben Kissen mit pflanzlicher Füllung nicht. Dafür ist hier die Gefahr größer, dass es zu Schimmelbefall oder anderen hygienischen Problemen kommt. Regelmäßiges Waschen ist bei allen Kissen zu empfehlen.
Ein anderes Hilfsmittel sind sogenannte Stillhütchen. Sie werden über die Brustwarze gestülpt und sind vor allem dazu gedacht, Linderung bei wunden Brustwarzen zu verschaffen. Allerdings sollten Stillhütchen nur als kurzfristige Lösung gewählt werden. Schmerzende Brustwarzen werden meist durch eine falsche Anlegetechnik verursacht – Stillhütchen können dieses Problem nicht dauerhaft lösen. Stattdessen sollten sich Mütter mit schmerzenden Brustwarzen von einer Stillberaterin oder Hebamme die richtige Anlegetechnik zeigen lassen.
Brustschalen sind ebenfalls dazu gedacht, die Schmerzen in wunden Brustwarzen zu lindern. Sie werden in den BH gelegt und verhindern dort, dass die Brustwarzen an der Kleidung reiben. Sogenannte Stilleinlagen dagegen sollen die Brust trocken halten, vor allem wenn die Milch überfließt. Aus hygienischen Gründen ist hier häufiges Wechseln wichtig. Läuft die Milch aus der Brust, während das Baby an der anderen trinkt, bieten sich Milchauffangschalen an. Diese gibt es wie all die anderen Hilfsmittel in der Apotheke zu kaufen.
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Muttermilch abpumpen
Wenn Mütter berufstätig sind oder für längere Zeit verreisen müssen, ist es ihnen oft nicht möglich, dem Baby die Brust zu geben, wenn es hungrig ist. In diesen Fällen hat es sich bewährt, Muttermilch auf Vorrat abzupumpen und zu lagern.
Grundsätzlich sollte Muttermilch zwar warm verfüttert, aber kühl gelagert werden. Bei Temperaturen zwischen +4 bis +6 Grad, wie sie üblicherweise im Kühlschrank herrschen, ist die Milch etwa 72 Stunden haltbar. Wenn die Muttermilch nicht innerhalb von drei Tagen verbraucht werden kann, sollte sie nach dem Abpumpen tiefgefroren werden. Bei -18 Grad können Mütter die Milch rund drei Monate aufbewahren. Die gefrorene Milch sollte vor dem Verfüttern möglichst schonend aufgetaut werden – also nicht in der Mikrowelle, sondern am besten langsam im Kühlschrank.
Das Abpumpen selbst kann mit verschiedenen Methoden durchgeführt werden. Am komfortabelsten sind elektrisch betriebene Pumpen, die in vielen Apotheken ausgeliehen werden können. Aber auch handbetriebene Pumpen können erfolgreich eingesetzt werden. Das Ausstreichen der Brust mit der Hand ist mühsam, aber ebenfalls möglich. Die nötige Technik sollte sich die Mutter von einer Stillberaterin oder Hebamme zeigen lassen.
Sie sollten die Pumpe auf jeden Fall nach individueller Beratung wählen, da es unterschiedliche Trichtergrößen und Saugleistungen gibt. Bei einer falsch gewählten Pumpe kann es zu Schmerzen in der Brust kommen.
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Muttermilchersatz
Manchen Müttern ist es nicht möglich, ihr Kind die empfohlenen sechs Monate komplett zu stillen. In diesen Fällen bietet die Industrie eine Vielzahl an Muttermilchersatz-Präparaten an. Bevor sich die Eltern für eine Ersatzmilch entscheiden, sollten sie sich allerdings von einem Arzt oder Apotheker beraten lassen. Nicht alle Milchersatzmittel sind gleich gut für jedes Kind geeignet.
Für die ersten Monate sollte auf jeden Fall ein sogenanntes „Pre“-Präparat gewählt werden. Die Zusammensetzung dieser Milchersatzmittel ist der der Muttermilch am ähnlichsten. Der Gehalt an
Mineralstoffen und
Vitaminen ist dabei gesetzlich vorgeschrieben. An Kohlehydraten ist nur der auch in der Muttermilch vorhandene Milchzucker enthalten. Säuglingsmilchnahrungen mit der Ziffer „1“ werden ebenfalls als Muttermilchersatz angeboten. Sie unterscheiden sich von den zuvor genannten dadurch, dass sie zusätzlich Stärke beinhalten und eine sämigere Konsistenz aufweisen. Hier sind je nach Hersteller aber manchmal auch Haushaltszucker (Saccharose) und andere Kohlehydrate zugesetzt. Diese sind für die Ernährung von Babys überflüssig. Um nicht bereits Säuglingen den Geschmack „süß“ anzugewöhnen und zur Vorbeugung von Zahnschäden an Milchzähnen sollten Sie gezielt nach Produkten fragen, die frei von Haushaltszucker sind.
Der Anteil an Kohlehydraten ist in der Folgemilch mit der Ziffer „2“ noch höher. Folgemilch der Gruppe „2“ sollte daher frühestens ab dem sechsten Monat, manche auch erst ab dem achten Monat verabreicht werden. Säuglingsmilchnahrung mit höherem Kohlenhydratanteil sorgt für eine längere Sättigung, unter anderem durch eine längere Magenverweildauer. Das Baby muss nicht so oft trinken. Fragen Sie Ihren Apotheker um Rat. Er hilft Ihnen bei der Auswahl der richtigen Ersatzmilch.
Darüber hinaus werden auch noch andere Arten von Säuglingsnahrung
angeboten: Spezialmilch, beispielsweise für die Frühgeborenenernährung, Heilnahrung bei speziellen Indikationen wie Darmerkrankungen oder hypoallergene Nahrung. All diese Produkte sollten nur nach ärztlicher Empfehlung verabreicht werden.
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Speikinder sind Gedeihkinder?
Dieses alte Sprichwort beschreibt die Beobachtung, dass viele Säuglinge direkt nach dem Stillen oder dem Trinken aus dem Fläschchen spucken. Das ist allerdings nicht unbedingt besorgniserregend, denn meist wird keine große Menge erbrochen und das Kind leidet nicht übermäßig unter dem Spucken. Aufpassen müssen Eltern allerdings, wenn das Kind regelmäßig größere Mengen spuckt und nicht richtig zunimmt. Dann kann auch eine Störung des Verdauungstraktes oder eine Nahrungsmittelallergie vorliegen.
Wird das Kind mit Muttermilchersatz gefüttert und erbricht danach häufig, empfiehlt sich ein frühzeitiger Umstieg auf sogenannte hypoallergene Präparate, auch HA-Milch genannt. Das Milcheiweiß in dieser Ersatzmilch ist so aufbereitet, dass auch allergieempfindliche Kinder damit zurechtkommen. Allerdings ist der Geschmack von HA-Milch relativ bitter. Die Kinder müssen sich erst daran gewöhnen. Dann kann auch aus einem Speikind ein Gedeihkind werden.
Info: Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie Ihres Kindes sollten Sie Ihren Arzt oder Apotheker um Rat fragen. Der Experte kann Ihnen entsprechende hypoallergene Präparate empfehlen.
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